über mich Aktuelles Bildergalerie Presse Gästebuch email Impressum

Literatur
Werkstatt
 Mein neues Buch  Gedichte  Sonette  Kurzgeschichten  Reisebericht  Bücher  Buchbestellung - Das Rad - Ist dies Afrika? - Barbera d' Alba - Eiszeiten - Zuhören  Links  Home


Hier können sie einen kleinen Exkurs in die Welt meiner Sonette machen. Lehnen sie sich bitte bequem zurück und tauchen sie ab.

Barbera d' Alba

Breitschultrig steht er in der Tür, der Rote,
von Bacchus geschickt, wie ein Götterbote.
Dieser sonnensatte kirschkernige Wein
stammt aus dem schönen Alba, tiefrot und rein.

Eigenwillig ruht er im Glas, kommt daher
fast leicht und herausfordernd, aber nicht schwer.
Er verlässt uns direkt, ganz aufrecht das Haupt,
atmet im Glas, ein Charakter - unberaubt.

Duft steht noch im Raum, wenn Dekanter schon weit,
ist jener Rote erst vom Korken befreit.
Dieser Wein glüht sanft, mit würzigem Gesicht.

An die Zungen und Gaumen schmiegt er sich dicht.
Noch feurig-jung glänzt er mit seinem Gehalt,
in Flaschen gereift - wird er ernsthaft und alt.


>>> zum Seitenanfang


Ist dies Afrika…?
(maurische Impressionen)

Mein Blick streicht über das südspanische Meer,
dieses ist noch nicht Afrika, und so sehr
ich den Möwen auch folge in der Ferne,
weitet sich die See, darüber die Sterne.

Dieses Afrika sehe ich hier noch nicht,
aber ich träume - hoffe, es kommt in Sicht.
Am Plaza, unter den Orangenbäumen,
verliere ich mich in maurischen Träumen.

Als ich den Felsen Gibraltars entdeckte,
die See sich zwischen Kontinenten streckte,
erschien mir ein Afrika durch sanftem Dunst.

Das Meer vereint die kontinentale Kunst.
Vom orientalischen Flair eine Spur,
ist dies Afrika - aus der Ferne doch nur.


>>> zum Seitenanfang


Homöopathisch...weniger ist mehr

Ein Medicus, der eigensinnige Mann,
sah sich aufmerksam den kranken Menschen an.
Vollzog auf hohem Niveau Anamnesen,
ergründete von Krankheiten das Wesen.

Jeder Arzt kennt den Chinarindenversuch,
Hahnemann schrieb seine Erkenntnis ins Buch.
Materia Medica - die Kreatur
heilt sich selbst, vom Stoffe berührt, eine Spur.

ähnliches mit ähnlichem zu kurieren
ist ganzes Heilen, ständiges Studieren,
wenn das Stoffliche ins Nichts sich dünnt und weicht.

Gleichwohl zum Anregen der Heilkraft es reicht,
heilt der Homöopath mit Wenigem recht,
manch Schulmediziner mit Vielem nicht schlecht?


>>> zum Seitenanfang


Von der Ungeduld

Ungeduld erstickt die Liebe schon im Keim,
sie bietet der Sehnsucht nur selten ein Heim.
Verwandelt die Hoffnung und das Begehren
der Menschen in Ablehnung und Verwehren.

Das unbedacht zelebrierte Rendezvous
zerstört zaghafte Erwartungen im nu.
Eine nur schwerlich auszugleichende Schuld
entsteht in der Gesellschaft durch Ungeduld.

Es ist den Gelassenen keine Frage,
die Mutter des voreiligen Entschlusses
raubt der Kindheit die unbeschwerten Tage.

Eile ist die Brutstätte des Verdrusses.
Wer nicht rastet, sich in Ungeduld kasteit,
der beraubt sich einer fabelhaften Zeit.


>>> zum Seitenanfang


Aussteigertraum

Gedanken tanzen in der Abendsonne,
ich döse mild am Schreibtisch; voller Wonne
würde ich alle Verträge kündigen,
mich nie mehr in Sachzwängen entmündigen.

Dann lebte ich mit den Gezeiten am Strand,
trocknete heile Netze im warmen Sand.
Meine Fußabdrücke blieben bis zur Flut,
kein Reichtum kennt dieses Freisein, das ist gut!

Während ich jene Aussicht überdenke,
quälen mich Renditen und Sachgeschenke.
Wer wohl gibt auf meine Sehnsuchtsbilder Acht?

Wenn ich schutzlos schlafe im Dunkel der Nacht,
ist da ein Fischer, der meinen Tagtraum fängt
und ihn mir am nächsten Morgen wiederschenkt?


>>> zum Seitenanfang


Von der vergangenen Jugend

Heute Morgen, bin ich verstört aufgewacht,
empört von diffusen Sorgen aufgebracht.
Mein Bild im Spiegel verriet mir offenbar,
dass eine verrückte Zeit zu Ende war.

So sah ich die Jugend, als faustisches Kind,
sie glitt schon davon und verlor sich im Wind.
Ich litt darunter, aber spürte schon bald,
das mitunter Zeit verrinnt, ganz ohne Halt.

Glanzlos allein, mit unbekannter Tugend,
wich sie unhaltbar davon, meine Jugend.
Heilige Kindheit, wo bist du geblieben?

Hast dich davon gestohlen, still verschieden.
So suche ich, nach einer traumschweren Nacht,
im Spiegel, was mich um mein Jungsein gebracht.


>>> zum Seitenanfang


In des Glückes Traurigkeit

Könnt' ich traurig sein, vor Freude, einen Tag,
weil ich lebe, weil ich strebe, weil ich bin.
Wäre die Suche nach Liebe und nach Sinn,
der Weg zur Gelassenheit, ein Brückenschlag.

Wollt' ich ICH nur sein für einen kurzen Tag,
endlich auf die inneren Stimmen hören,
würden mich nie mehr Furcht und Zweifel stören,
bis mein Herz vergibt den allerletzten Schlag.

Unaufhörlich bin ich von mir abgelenkt,
kann den Menschen nicht erkennen, der mich liebt,
weil meine Gedanken lustlos sind verschenkt!

So wünsche ich mir Jahre zum Verstehen,
bis mein Dasein umgebaut und sich verschiebt.
Muss ich dann - endlich reif geworden - gehen.


>>> zum Seitenanfang


Vom Wandel der Brücken

Immer und wieder sollten wir es wagen,
Tiefen zu bezwingen, Stege zu schlagen,
ferne Ufer an Flüssen zu begehren,
Menschen zu einen und Täler zu queren.

Wenn Winde in hängenden Seilen singen,
sich Baumeister über Baumkronen schwingen,
dann wandeln sich Balken, steinerne Bögen
auch zu Freiheit und menschlichem Vermögen.

Wo Phantasie und Tapferkeit sich spalten,
ein fauliger Pfahl schroff in den Himmel steht,
werden des Heuchlers Wege niemals halten.

Vorbei an den Schluchten und Meereswogen,
da, wo Festigkeit über Schlagbrücken geht,
entsteht der wahre schlanke Brückenbogen.


>>> zum Seitenanfang


Von den Versen, die überdauern

Von Wort und Werken, die gestern noch galten,
von alt Begehrtem ist wenig erhalten.
Bücher sind geblieben, Lieder, Geschichten,
Poeten schrieben die Welt in Gedichten.

Das Volksgut verkümmert in schnöden Schränken,
Dichter kauern wortlos auf spröden Bänken.
Wer will sich an alten Versen erfreuen,
kann das Moderne Vertrautes zerstreuen?

Was in das Heute gerettet, ist nicht viel,
ein verlorener Reim, das Volkslied, ein Stil,
Dinge, die über Vergangenes sprechen.

Geschichten, die nie entzweien, nicht rächen,
und übermorgen ist das Neue schon alt.
Lieder klingen weiter, Zeit kennt keinen Halt.


>>> zum Seitenanfang


Die geschenkte Liebe

Liebe ist eine wärmend, schädliche Glut
in unseren Herzen, sie spendet den Mut,
die Brücke der Schmerzen zu überqueren,
die Hoffnungen vieler Menschen zu mehren.

Die Straße des Zweifelns bald zu verlassen,
große Gefühle in Lächeln zu fassen.
Nur, lähmt sie auch Gedanken, raubt uns den Schlaf,
verändert das Sein des Menschen, den sie traf.

Sie verschließt die Augen und öffnet Türen,
beflügelt Seelen und lässt plötzlich spüren,
was unser Geist nicht erfasst, niemals versteht.

So stellt sich die Frage, wenn die Liebe geht,
die quälende Leidenschaft zögernd verglüht:
Ist dann noch einer um die Liebe bemüht?


>>> zum Seitenanfang


über die - auch unerwartete - Erektion

So manche Schwellung kommt völlig unverhofft,
auch ohne weibliche Reize viel zu oft.
Sie ist im Alter von unschätzbarem Wert,
kommt dann eher gar nicht oder sehr erschwert.

Entsteht sie im Schlaf, dann ganz heimlich und still,
völlig eigenständig, nicht wenn Mann es will.
Er schläft harmlos, tief und tiefer, spürt es nicht,
wenn ihm nachts die Rute aus der Hose bricht.

Eine Erektion ist kapriziös,
fast schon feminin, anfällig und nervös,
verträgt keine Rituale und Faxen.

Einer Migräne ist sie kaum gewachsen.
Von Kopfschmerz und Eifersucht geplagte Frau'n
können die Erektion völlig versau'n.


>>> zum Seitenanfang


Der unbequeme Unbekannte

Er konnte mit seinen geistreichen Schriften
die Leser verärgern und heftig giften.
Dieser Mann war meistens hässlich und gemein,
jonglierte grässlich grob mit Worten und Reim.

Er hatte viele große Bücher verfasst,
ging ran wie Blücher, war oftmals sehr verhasst.
Durchaus war er unbestechlich und wichtig,
sein Wort, nie oberflächlich, galt als richtig.

Und als er dann ging, wortlos, von den seinen,
da tuschelten Leute, diesen gemeinen
Kerl hat unsere Welt gebraucht, so dringlich.

Heut' ist die Lüge eher noch erschwinglich.
Das Wort der Wirklichkeit in voller Größe
wird vereitelt ohne Skrupel und Blöße.

* * *
© B. W. Rahe

>>> zum Seitenanfang






nach oben 

© poemix