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Hier bekommen sie die Gelegenheit, meine Gedichte zu lesen. Lehnen sie sich bequem zurück und genießen sie.
Die Reise zum Golfstrom

Zwei Forellen wollten zum Golfstrom krawlen,
unter den Fischen gehörten sie eher zu den Faulen.
Da sagte das männliche Tier friedlich und schlau,
hör mal her, du niedlich schuppige Flossenfrau:
Wir warten auf einen großen warmen Regen,
der bald niedergeht mit feuchtem Tropfensegen.
Und genauso kam es dann schließlich auch,
alles stand unter Wasser, samt Baum und Strauch.
Aus dem kleinen Teich wurde ein riesiges Meer,
darüber freuten sich die klugen Fische sehr.
Jetzt schlugen beide heftig mit den kleinen Flossen,
und bitter war der Abschied von den Artgenossen.
über Land schwammen sie in die fließende Ferne,
finster wurde es, doch hell leuchteten die Sterne.
Nach mehreren harten Tagen dann, es waren viere,
kam eine große Stunde für die furchtlosen Tiere.
Das Wasser wurde weit und salzig - merkwürdigerweise,
die Fische stießen vor, hinein, in die abenteuerliche Reise.
Nun, zum Golfstrom war es nicht mehr allzu weit,
langweilig wurde ihnen nie, sie waren ja zu zweit.
Nach einigen Wochen des vielen Schwimmens dann
kamen endlich die Forellen im hellen am Golfstrom an.
Die Ankunft war grandios, die Freude nicht klein,
eilends glitten die Fische in das warme Wasser ein.
Und als sie alt geworden, doch nicht einfältig und stumm,
schwammen sie in ein elegantes Sanato..., nein Aquarium.
Oder war's doch ein Fischrestaurant?


* * *

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Es ist Zeit

Es ist Zeit, endlich aufzustehen,
auf die Straße zu gehen.
Der Gerechtigkeit halber.
Um den wohlstandsverbogenen,
bornierten Gestalten,
die wir mit unseren Stimmen stärkten,
die zuweilen ihren Schwur,
mit gekreuzten Fingern hinter den Rücken, vereitelten,
in das Gesicht zu schreien.
Es ist Zeit zum Abwählen,
und „NEIN“ zu sagen.
Es ist Zeit, jene Knüppel,
die kritische Gesichter zerschlugen,
zu verbrennen.
Zeit, Tränengas und Gummigeschosse
zu vergessen und mit jenen Wasserstrahlen,
die enttäuschte Gesichter zerplatzen ließen,
Gartenteiche zu füllen.
Es ist an der Zeit, „VERRAT“
in die Ohren der Mächtigen zu schreien.
Zeit, die dunklen Staatskutschen
zu stoppen, bevor sie uns überrollen.
Den Steuerdiebstahl zu beenden,
und endlich die Fußtritte, die
Uniformierte in Wählerrippen gaben,
in Umarmungen zu verwandeln.
Zeit, für die Schwächeren einzustehen,
sich endlich zu erheben gegen korrupte
Dienstherren und gegen die Zerstörung von Werten zu wüten.
Zeit, den Wunsch nach Gerechtigkeit,
Gleichheit und Frieden zu erfüllen.
Aber welcher Schwachkopf wird,
den Tatsachen so wunderbar entrückt,
von den Medien verkleistert und verarscht,
den Abend vor der Glotze gegen Nächte hinter Gittern eintauschen.
Gegen Nächte mit absurden Ermittlungen und Beschuldigungen.
Wer ist denn so mutig, so dumm?
Die Furchtlosen sind fett und satt,
linientreu in das System gummiert,
erstarrt, erschrocken, eingeschüchtert,
von makellosen Karrieren verworfen.
Und am Ende des Weges angekommen,
begreifen wir endlich, dass bei allem,
was dagegen spricht:
Wir Menschen in einer Art „EchtZeit“ leben,
die keinen Aufschub mehr duldet.
keinen Aufschub, für nichts!

* * *

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Der Schrei der Schwalben

Von den Schwalben der helle Schrei
ist wie ein leidenschaftliches „ja“ zum Sein
und jede Schwalbe, die so ganz allein
dort oben fliegt, ist nicht einsam aber frei.

Von den Schwalben jeder Flügelschlag
ist der kleine Kampf um den Augenblick,
die Inspiration und das zarte Geschick,
zu leben, als wär’s der letzte, letzte Tag.

Zu den Schwalben ein kurzes Augenspiel
ist nach Himmel und Weite der Traum,
zu tanzen wie ein Vogel in Zeit und Raum,
der niemals traurig vom blauen Himmel fiel.

* * *

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Am Ende ganz frei

Am Ende des Pfades angekommen,
ein Blatt im späten Jahrestraum,
fällt ganz langsam und benommen,
durch endlose Welt und Zeitenraum.
Es ruht in weicher Erde dem Tod
entgegen, dem Tau dem Abendrot
so abgewandt, dem Stamm und Ast.
Kommt zurück ganz grün, ohne Hast.
Das Schicksal lässt uns alle bald gehen,
wenn Jahre und Tage träge vergangen.
Baumkronen für immer über uns wehen,
Materie ist ewig, befreit und gefangen.
Alle angstvollen Gedanken, die sind
stürmisch, so unverhofft wie der Wind,
am Ende ganz frei.

* * *

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Lieder der Wahrheit

Ihr Lieder der Wahrheit, eure eindringlichen Rufe
hallen aus den Tiefen mit gigantischen Melodien.
So hoch und hohl empor, so zart die Töne dieser Welt.
In wundersam klingenden Reimen schwingen Gesänge.
Die Wahrheit, einfach und alt, ein zartes Klanggebilde,
ein ewiger Chor, vom Rauschen verzückt, im Sein verhallt.
Von den Dächern schwingt das Lied der Vergänglichkeit,
von Sonnengängen, Geburt und Tod, Gezeitenströmen.
Der klare melancholische Singsang des Unabänderlichen
schwingt selbstverliebt so hoch, so dünn und ewig jung.
Er singt die Strophe eines letzten zerbrochenen Tages.
Aus menschlichen Mündern - zu Stein geworden - quellen
die sonderbaren Lieder zerzauster krächzender Krähen,
mit alten Augen, zerliebt und grau übertrauert das Gefieder.
Ein brennendes Lied aus grotesk zerwüteten Tönen.
Es wird gesungen, gepfiffen, gespielt, geliebt, geschrien.
So musikalisch monströs, so menschlich und - so schön?

* * *

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Nächtliches Gespräch

Oftmals knie ich in der Nacht,
vom Leben zerrissen wie eine alte Jeans,
vor einem weißen Altar.
Dann bin ich hellwach und traumlos.
Zweifelnd erwarte ich das Morgengrauen,
in der Hand ein kühles Bier.
Alle Witze, über die man so lacht,
taugen in diesem Moment nichts mehr.
Schwankende säuselnde Blechkiste,
du gibst mir alles, was du besitzt.
Dein kleines Licht,
dein einfaches Essen,
deine elektrische Kühle,
deine Schweigsamkeit.
Ich spreche zu dir, richtig vertraut,
wie mit einem lieben Freund.
Ich lausche dem Aggregat deiner kalten Seele.
Du sagst niemals ein Wort,
und das ist so wie Zuhören.
Wann immer ich deine Tür öffne,
brennt da ein Licht, für mich ganz allein.
Es schaut so aus
wie in einer nächtlichen Stadt, erleuchtet,
in mehreren Ebenen schimmernd.
Montreux im Winter.
Dein bläuliches Licht lässt mich wieder träumen.
Am Ende dann, es ist schon früher Morgen,
wird mein vertrautes Reden ganz müde,
dein offenes Zuhören ist geschmolzenes Eis.
Mein kleines Leben drängt mich zum Schlafen.
Und so lege ich meine Seele ganz feierlich
zu dir hinein und schließe die Tür,
wie zu einem Schrein.
Meine Ängste und meine Zweifel
vertraue ich dir an.
Meine Hoffnungen verleihe ich für eine Nacht.
All die unausgesprochenen Worte ruhen nun
im Gedächtnis deines Eises.
Ich gehe beruhigt schlafen.

* * *

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Rente

In fünfzehn Jahren, wenn ich etwa sechzig bin,
lebenserfahren, mit einem achtbaren Lottogewinn,
werde stolz und ausgeruht ich mich mutig rüsten,
dem Holz im Koffer, in Richtung warme blaue Küsten,
von Frankreich und dem alten schicken Griechenland.
Stinkreich, mit einem dicken Buch in meiner Hand,
sitz ich unter den Bögen mit Freund Peter und Rita,
ritz ich in weiches duftendes Holz meine eigene Vita.
Trinken gemeinsam mit Gefährten unseren Roten,
winken der Sonn', nicht einsam, zwischen den Booten.
Friedlich werden wir unter den Beglückten weilen,
niedlich in den Himmel schauen, uns wenig beeilen.
Und wenn es dunkelt, bis in die nahe Nacht hinfort,
dann leise es munkelt, ist es schön an diesem Ort.

* * *

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Der Bücherwurm

Wer frisst sich genussvoll durch bedruckte Blätter?
Wer speichelt sie ein, Letter für Letter?

Der Bücherwurm mit seinem scharfen Gebiss
ist unserem Bücherschrank wohl stets gewiss.

So quält er sich, doch meist behände,
vom Bücheranfang bis zum Ende.

Es liest der Wurm mit großer Eile
die staubigen Schwarten, Zeile für Zeile.

Doch Einiges versteht das Würmchen nicht;
so manches Buch hat zuviel geistiges Gewicht.

Dann schluckt er unverdaut
und wirklich sparsam nur gekaut,

wo Leseratten sich dran laben,
verdirbt sich dabei oft den Magen.

Es liegt an seiner großen Gier
nach beschriebenem Papier.

Gesünder wär's, sich der Literatur wohl zu enthalten
und in dicken Toilettenrollen die Zukunft zu gestalten.

Denn die sind weich und ehrlich,
literarisch völlig ungefährlich.


* * *
© B. W. Rahe

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